Verwaiste Eifelhäuser:                              Sie werden leider immer mehr ....


In vielen Landstrichen - nicht nur bei uns in der Eifel - verwaisen Häuser. Die Menschen, die einst darin ihr Leben gelebt haben, sind dort nicht mehr. Niemand hat sich gefunden, der in ihrer Nachfolge hier lebt. Die Fenster bleiben abends dunkel. Denn dort wohnt ja niemand mehr, der Licht braucht. Aus diesen Fenstern schaut niemand mehr heraus - und kaum jemand hinein. Hinter diesen Fenstern wird nicht mehr gelacht, geliebt, gestritten und versöhnt. Sie werden nicht mehr geputzt, nicht dekoriert und nicht geöffnet. Sie werden auch nicht verdunkelt, denn darin stört sich leider niemand mehr daran, ob die Sonne vielleicht auch mal blendet. Es sind - so wird es genannt - "tote Fenster" von unbelebten Häusern.

Diese Häuser sind verwaist und meistens in die Jahre gekommen. 

Was machen wir mit diesen Häusern? Ihre Zahl steigt stetig an.  Und zwar so rasant, dass einem schwindelig werden kann. Es ist nicht ein Problem eines einzelnen Dorfes, sondern ganzer Regionen. Aber es gibt Dörfer, die schon fleißig an kreativen Ideen arbeiten, um am Ende zu denen zu gehören, in denen das Leben pulsiert.

Es ist doch eigentlich total beruhigend, dass wir hier von Häusern sprechen, in denen tatsächlich 80, 90 oder gar 110 Jahre lang Menschen ÜBERLEBEN konnten. Und zwar ganz ohne Rundum-20cm-Fassadendämmung, Fußbodenheizung und Dreifachverglasung!
Sie sind grundsätzlich zum Wohnen geeignet. Natürlich erfordert das z.B. höhere Heizkosten. Na und? Denn es muss schon verdammt viel Holz durch den Schornstein gejagt werden, bis man so hohe Kosten, wie sie für eine Vollsanierung notwendig sind, erzeugt hat. 

Könnte vielleicht mit einem gesunden Maß an Modernisierung, ohne dabei dem All-inclusive-Sanierungswahn zu verfallen, mit einer tatkräftigen Dorfgemeinschaft und mit einer fairen, ehrlichen Mietkaufoption für Familien, die aktiv am Dorfleben teilnehmen möchten, so manches gute alte Häuschen noch einmal zu einem behaglichen und GLEICHZEITIG BEZAHLBAREN Zuhause werden? 

Dieses Problem ist schon lange bekannt. Auch mir. Aber es war mir bisher nicht wirklich MEIN Problem. Es war nur etwas, was man mir schon mehrfach erzählt, belegt, ... hatte. Ich hatte es auch "verstanden", aber es hat mich bisher nicht BERÜHRT. 

In meinen Sommerferien nun habe ich viel Zeit damit verbracht den Putz einiger Bruchsteinwände unseres Obergeschosses abzuschlagen, die Fugen zu säubern .... , um in naher Zukunft dann diese wunderschönen Wände mit geeigneten Baustoffen neu zu verfugen, mit Kalkmilch zu behandeln etc. Dabei habe ich gemerkt, wie viel Freude mir das macht.
Dann kam die Idee: Du kaufst hier im Dorf einfach noch ein Häuschen, damit dir diese Arbeit nicht ausgeht, machst es wieder "schön" .... tja, und was dann??????
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen:
Wer will denn schon Ferien in einem Dorf machen, in dem kaum noch jemand wohnen wird? Mehr als 5 Häuser stehen schon leer, in nicht allzu weiter Ferne kommen möglicher Weise noch die 13 dazu, in denen jetzt ältere Menschen leben.....  (Gut, vielleicht hat die eine oder andere Familie schon eine echt gute Ideen. Das weiß ich natürlich nicht.  Es wäre aber super. Aber es wird sicher nicht für all diese potentiellen Häuser-Waisen zutreffen. )
Diese erste Idee war für mich jedenfalls ... gestorben!

Dann kam die erste Einsicht:
Du musst schauen, dass du dieses Häuschen dann eben an jemanden weiter gibst, der dann auch hier leben kann. Tja, einen Kredit bekommen viele aber nicht mehr. Also: Fairer Mietkauf. Am besten findest du noch Verbündete im Dorf - hilfsbereite, engagierte Menschen gibt es doch immer, die dir helfen.
Dann kam die nächste Einsicht:
Oh herrje, was nützt denn ein Haus, wenn es bald schon 15, 20, ... sein werden?

Klar ist also:
Das hier ist ein Problem eines ganzen Dorfes! Und nicht nur eines einzelnen Dorfes. Es gibt hier kaum ein Dorf, das in der privilegierten Lage ist, an dieser Stelle nicht nach Lösungen suchen zu müssen.
Und so, wie mir die Schuppen erst jetzt gerade von den Augen fallen, weil ich selbst gerne etwas tun möchte und diese Tatsache mir einen Strich durch die Rechnung macht, so geht es sicher vielen anderen genauso.

 

Die demografischen Prognosen liegen längst vor. Die habe ich nicht nur einmal gesehen. Aber jetzt erst erreichen sie mich wirklich. Und jetzt und hier wird mir dieser Umstand zum eigenen Problem. Und, ich glaube, da bin ich nicht die Einzige ....

Aber gut, dann beginne ich eben jetzt, zu dieser Frage beizutragen. Aber alleine geht es nicht. Ein einziges Häuschen rettet nicht das Dorf. Vielleicht ist das auch genau gut so. Gemeinsam geht es sowieso viel besser, wenn alle am gleichen Strang und in die gleiche Richtung ziehen....                                     

 



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Kommentare: 1
  • #1

    Heike Keßler-Husse (Sonntag, 07 September 2014 16:40)

    Liebe Silke,
    ja, ich stimme dir zu: das ist eine wirklich schöne Wand!
    Was ich dir außerdem sagen möchte. Ich bewundere dich sehr für deine Tat ( und) Kraft, mit der du aktiv deiner Umwelt Gestalt gibst. Nicht nur bei alten Gemäuern ist das so, auch in der Schule mit jungen Lebewesen fiel mir das auf. Eine wunderbare Eigenschaft ist das.
    Viele gRüße!
    Heike